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St. Andrä am Zicksee

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Der Zicksee

Auszug aus „Die Salzlacken des Seewinkels“
Auftraggeber: Naturschutzbund Burgenland
Erstellt durch Dr. Rudolf Krachler (2012)

Geogr. Koordinaten:

N 47°47‘22“, E 16°54‘13“

Pol. Gemeinden:

Apetlon / Frauenkirchen
St. Andrä am Zicksee

Eckdaten:

• Lackenwanne: 169 ha
• Lackenwannen-Umfang: 5.480 m
• Schilfbestand (inkl. Insel): 40,5 ha


• Schilfbestand (inkl. Insel): 40,5 ha
• Sonstige Vegetation: 6,8 ha
• Freie Wasserfläche: 121,7 ha, 75 % der natürlichen Lackenwanne

Der Zicksee

Der St. Andräer Zicksee ist mit über 120 ha (1,2 km²) Wasserfläche und einer Wassertiefe bei Vollbefüllung von über 1,5 m früh für touristische Zwecke entdeckt worden. Wendelberger (1950) erwähnt schon 1939 eine Badeanstalt und ein Strandbad. In den 1950er und 1960er Jahren wurde die touristische Infrastruktur großzügig ausgebaut. Beispielsweise wurde ein etwa 10 m breiter Streifen des originalen dichtenden Sediments entlang des gesamten Ostufers auf einer Länge von 2.200 m abgetragen und durch eine Kiesschüttung ersetzt.

Einen massiven Eingriff in den Wasser- und Salzhaushalt bedeutete in den 1950er Jahren die Errichtung des Hauptkanals, der in Frauenkirchen seinen Anfang nimmt und auf seinem Weg gegen Süden die (ehemalige) Pimetzlacke quert und dadurch auch zerstörte. Dieser Hauptkanal brachte von Norden große Mengen Fremdwassers in den St. Andräer Zicksee und zog im Süden bei der Reihersiedlung Lackenwasser in Richtung Östliche Wörthenlacke ab.

Neben der touristischen Nutzung wird im St. Andräer Zicksee auch seit vielen Jahrzehnten die Teichwirtschaft (Fischzucht) betrieben. In dieser Eigenschaft wurde er in den 1950er- und 1960er Jahren über den Hauptkanal jeweils im Herbst zum Zweck der Abfischung komplett abgelassen.

Die Geschichte der wasserbaulichen Eingriffe reicht allerdings viel weiter zurück: In den Karten der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme sind zahlreiche Gräben eingezeichnet, darunter auch einer, der den St. Andräer Zicksee im Süden anschnitt und bei sehr hohen Wasserständen Lackenwasser in die Sechsmahdlacke ableitete. Tatsache ist, dass ihn die Landvermesser der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme von 1872/73 noch gänzlich ohne Schilfbestand antrafen. 1939 hingegen beschreibt Wendelberger (1950) den ausgedehnten Schilfbestand des St. Andräer Zicksees als einzigartig im gesamten Seewinkel. Dieser hatte sich somit in den sieben Jahrzehnten davor entwickelt, was nur bei niedrigem Wasserstand möglich ist und daher auf eine Absenkung des mittleren Wasserstandes sowie mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf einen Verlust des Salzgehaltes schließen lässt.

Bezüglich des ursprünglichen Salzgehaltes des St. Andräer Zicksees sind wir jedoch in hohem Maß auf Vermutungen angewiesen. Die ältesten chemischen Analysen stammen aus dem Jahr 1957. Diese Daten weisen ihn als in einem Ausmaß entsalzt aus, dass von einem Salzgewässer schon damals nicht mehr gesprochen werden konnte. Allerdings fielen die zitierten Probenahmen mitten in jene Phase der 1950er und 1960er Jahre, in denen der St. Andräer Zicksee jeden Herbst durch den Hauptkanal zum Zweck der Befischung zur Gänze abgelassen wurde.

Zweifellos war die Lackenmulde zum Grundwasser hin nie so isoliert, wie wir dies von den Sodalacken gewohnt sind. Der Grundwasserbeitrag zur Wasserbilanz wird immer sehr hoch gewesen sein und häufiger als aus anderen Lacken wird Lackenwasser gegen Süden zur Östlichen Wörthenlacke und Langen Lacke abgeflossen sein. Nie aber war der Grundwasserspiegel so tief abgesunken wie in den letzten Jahrzehnten, sodass wir ursprünglich selbstverständlich von einer verdunstungsbedingten Anreicherung von Natriumsalzen in der Wassersäule ausgehen können. Davon ist jetzt nichts mehr zu erkennen, die Lacke besitzt nahezu Grundwassereigenschaften. Gegen Ende der 1980er Jahre sanken die Grundwasserpegel unter der Mulde des St. Andräer Zicksees erstmals so weit ab, dass Lackenwasser in den Grundwasserkörper abfließen konnte, möglicherweise auch durch die oben erwähnte Kiesfüllung entlang des Ostufers.

Seit Beginn der 1990er Jahre kämpft daher der St. Andräer Zicksee erstmals in seiner langen Geschichte insbesondere in den Sommermonaten mit dem Austrocknen. Um den Badebetrieb wenigstens eingeschränkt aufrecht zu halten, wird er seither über weite Strecken des Jahres mit Grundwasser dotiert. Die Entnahme erfolgt aus zwei Hochleistungsbrunnen am Hauptkanal etwa 700 m nördlich dessen Einlaufstelle in die Lackenmulde (Eintritt des Kanals in den Schilfbestand).

Ornithologie
Der Sankt Andräer Zicksee weist unter allen Seewinkler Gewässern nach der Langen Lacke die größte Ausdehnung an freier Wasserfläche auf. Lackentypische Brutvogelarten kommen hier zwar schon seit Jahrzehnten nicht mehr vor, jedoch hat der See vor allem im Herbst und bisweilen auch in den Wintermonaten große Bedeutung als Rastplatz für verschiedene Schwimmvogelarten. Insbesondere für Gänse hat das Gebiet eine wichtige Funktion als Trink- und in trockenen Jahren auch als Schlafplatz.
Gefährdung

Das Hauptproblem des St. Andräer Zicksees ist die seit mehreren Jahrzehnten sinkende Grundwasserbasis

• Zur Zeit der Grundwasserspitze schwindet der Grundwasserbeitrag zur Wasserbilanz bis zur Bedeutungslosigkeit
• Die sommerlichen Grundwasserminima sinken so weit unter die Lackensohle, dass Lackenwasser in den quartären Schotterkörper des Grundwasserleiters versickert. Auch das seit zwei Jahrzehnten praktizierte Dotieren mit Grundwasser bringt daher nicht die erwünschte Stabilisierung des Lackenpegels auf Badegewässerniveau.

Renaturierungsziel und empfohlene Maßnahmen
Sicherung der Wasserführung des St. Andräer Zicksees auf einem so hohen Niveau, dass die Dotierung entfallen kann. Der See für sich alleine ist nicht sanierbar. Um langfristig eine befriedigende Wasserführung zu sichern, ist für den zentralen Seewinkel ein wasserwirtschaftliches Gesamtkonzept zu realisieren: Es darf nicht der Fall eintreten, dass ausgelöst durch geringere Niederschläge bei unkontrolliertem Abzug durch das Grabensystem, der Grundwasserspiegel soweit absinkt, dass die Entnahmen durch die Landwirtschaft zu einer prekären hydrologischen Situation am St. Andräer Zicksee führen. Der Abzug durch das Grabensystem ist folglich so weit zu drosseln, dass auch noch in Perioden geringerer Niederschläge ausreichend Grundwasserreserven für die landwirtschaftliche Bewässerung zur Verfügung stehen.
• Grundwasser-Abströmbereich: vollständige hydrologische Sanierung des Xixsee-Lange Lacke-Wörthenlacken komplexes: Niveaugleicher Rückstau des Hauptkanals nördlich der Pumpstation Martentau (Apetlon)
• Grundwasser-Anströmbereich: Reduktion des Grundwasser-Einsatzes in der Landwirtschaft

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